Yoga mit Ziegen: So funktioniert die neue Trendsportart “Goat Yoga”

Das laute Meckern scheint die Yoga-Schüler nicht zu stören. Niemand regt sich auf, wenn die vierbeinigen Yogis auf der Matte ihr Geschäft verrichten – auch das Knabbern an ihren Haaren und Zehen nehmen die Kursteilnehmer gelassen hin. Willkommen beim “Goat-Yoga” in Half Moon Bay, knapp 30 Kilometer von San Francisco und Silicon Valley entfernt. 25 Teilnehmende, zumeist Frauen, teilen sich hier mit 15 Zwergziegen eine helle Scheune. Die Yogamatten liegen auf einer weichen Schicht Heu.

Der Kalifornier Shawn O'Brien ist zum ersten Mal dabei. “Ein wenig skeptisch war ich schon”, räumt der 42-jährige Technikberater ein. Er hält ein weißes Ziegenbaby in den Armen und krault den Rücken des Tieres. Die nächste Yoga-Übung setzt er aus, die Streicheleinheit hat Vorrang.

Emma Stanier balanciert derweil in der Krieger-Pose samt Ziege im Arm. Die Engländerin wollte den neuen Yoga-Trend auf ihrer USA-Reise unbedingt ausprobieren. “Dass man so viel lacht und so viel Liebe beim Ziegenkuscheln fühlt, hätte ich nie gedacht”, erzählt die 36-Jährige.

Verrückte Yoga-Varianten gibt es weltweit. Auch in Deutschland rollen die Yogis längst nicht mehr nur ihre Matte aus. Einige verbiegen sich auf Paddelbrettern, bei schweißtreibender Hitze (Bikram-Yoga), mit Bierflaschen, Trapeztüchern und Metal-Musik. Beim Nackt-Yoga wird die Kleidung abgelegt, beim Hunde-Yoga oder DOGA krault man den eigenen Vierbeiner.

Ziegen-Yoga boomt bisher vor allem in den USA. In dem ländlichen Westküstenstaat Oregon brachte Lainey Morse, Besitzerin der “No Regrets”-Farm, im Sommer 2016 erstmals Yoga-Schüler mit Zwergziegen auf einer Wiese zusammen. Morse, die selbst an einer Autoimmunkrankheit leidet, schwört auf den therapeutischen Effekt der kleinen Huftiere, die sich gerne streicheln lassen.

“Ich hielt das erstmal für einen Scherz”, erzählt Bob Lemos, der nun seit April “Goat Yoga” auf seiner Farm mit einem Streichelzoo nahe San Francisco anbietet. Die Samstagskurse seien auf Wochen ausgebucht. Jetzt kämen schon Anfragen aus Silicon Valley für Firmenevents, sagt der 62-Jährige. Und wie reagieren seine Zwergziegen? “Die haben Spaß”, versichert Lemos. “Wie Kleinkinder, die sich austoben, rumklettern und alles erkunden.”

Yoga-Schülerin Cherish Petlansky erlebt das am eigenen Körper. Sie kniet in der Katze-Kuh-Pose, als eine Ziege auf ihren Rücken steigt. “Die knabbern an dir rum, springen einfach auf und blöken ins Ohr”, sagt die 17-jährige Schülerin.

Einige Tiere lehnen sich entspannt an, andere fressen Trockenfutter aus der Hand, manche kötteln auf die Yogamatte. Ein Helfer rückt dann gleich mit Küchenkrepp und Schäufelchen an.

Für Ricchetti sind Ziegen die idealen Yoga-Helfer – “total liebevoll”, aber keine Haustiere wie Hunde und Katzen, mit denen man vertraut ist. “Es ist eben nicht die Norm, eine Ziege zu umarmen”, sagt die Yoga-Lehrerin.

Genau das kann auch zum Problem werden. Die New Yorker Gesundheitsbehörde hatte kürzlich Yoga-Kurse mit Ziegen in der Metropole blockiert. Ein Anbieter vom Lande wollte die Vierbeiner für einige Wochen nach Brooklyn bringen. Die Behörde verhinderte den Kurs jedoch. Die Begründung: Der direkte Kontakt mit bestimmten Tieren sei verboten.